Lernplan erstellen: 7 Schritte für die Prüfungsphase
Drei Klausuren in vier Wochen, ein Stapel Skripte und das Gefühl, dass man irgendwo anfangen müsste. Genau in dieser Lage hilft kein weiterer Vorsatz, sondern ein Lernplan erstellen, der zu deinem echten Kalender passt. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie das geht. Er stützt sich auf die Anleitungen der Studienberatung der TU Berlin, des Verbundstudiums und der Uni Luzern, die wir unten verlinken.
Vorab die ehrliche Einordnung: Einen Lernplan zu schreiben, ersetzt das Lernen nicht. Aber ein Plan nimmt dir jeden Morgen die Frage ab, womit du anfangen sollst. Die TU Berlin beschreibt genau das als Problem. Wer sehr spontan plant, verbringt laut ihrer Studienberatung viel Zeit damit, über den nächsten Schritt nachzudenken, und hat am Abend das Gefühl, nichts geschafft zu haben.
Schritt 1: Verschaffe dir einen groben Überblick
Bevor du Themen verteilst, brauchst du drei Zahlen: Wie viele Tage hast du bis zur letzten Prüfung? Wie viele Prüfungen und Abgaben stehen an? Und was sonst steht im Kalender (Job, Familie, Termine, die du nicht verschieben kannst)?
Die TU Berlin empfiehlt, für jede Prüfung zu schätzen, wie viele Tage du für Wiederholung, Probeklausuren und Lerngruppe brauchst. Ihr Tipp: Sei großzügig, denn wir planen meist zu knapp. Verdopple deine erste Schätzung und verfeinere sie später. Die Uni Luzern rät außerdem, unwichtige Termine möglichst in die vorlesungsfreie Zeit zu schieben, damit mehr Lernzeit bleibt.
Schritt 2: Liste pro Prüfung auf, wo du wirklich stehst
Ein Plan nach dem Muster “Montag: Statistik” hilft wenig. Besser ist eine Tabelle pro Modul mit drei Spalten: Thema, Material, aktueller Stand. Das Verbundstudium nennt das einen Aktionsplan. Dort trägst du für jedes Thema ein, was du lernen sollst, welche Unterlagen du hast und wie sicher du dich fühlst.
Der Stand ist der wichtigste Teil. Die TU Berlin schlägt vier Fragen vor:
- Muss ich nur wiederholen, weil ich es verstanden habe?
- Muss ich es noch einmal tiefer erarbeiten?
- Habe ich es überhaupt nicht verstanden?
- Brauche ich dafür Hilfe von Tutorinnen oder Mitstudierenden?
Aus der Antwort ergibt sich, wo viel Zeit hineingehört und wo wenig. Die TU Berlin rät außerdem, eher bei Details als bei Themen zu sparen: Jedes Thema sollte einmal drankommen, damit du in der Prüfung zu allem etwas sagen kannst.
Schritt 3: Priorisiere nach Wichtigkeit und Dringlichkeit
Wenn mehrere Klausuren anstehen, hilft die Eisenhower-Methode, die auch die TU Berlin in ihrem Leitfaden nutzt. Übertragen aufs Lernen sieht das so aus:
- Wichtig und dringend: Damit beginnst du, zum Beispiel die Klausur in zehn Tagen, in der du dich noch unsicher fühlst.
- Wichtig, nicht dringend: Dafür reservierst du jetzt feste Lernblöcke, bevor es dringend wird.
- Dringend, nicht wichtig: Vielleicht reicht es, ein Thema einmal in der Lerngruppe durchzusprechen.
- Weder noch: Streichen oder aufteilen. Die TU Berlin nennt als Beispiel, Themen unter Mitstudierenden aufzuteilen und sich gegenseitig zu erklären.
Ein Hinweis aus dem Leitfaden, der leicht untergeht: Auch Unwichtiges wird dringend, wenn du es liegen lässt. Und wenn Wichtiges dringend wird, leidet die Qualität und der Stress steigt.
Schritt 4: Verteile die Zeit auf die Lernphasen
Hier wird es konkret. Das Verbundstudium gliedert die Vorbereitung in vier Phasen und gibt Richtwerte für den Zeitanteil an. Die Quelle beruft sich dabei auf ein Lehrbuch von Heister (2007), wir geben die Werte also aus zweiter Hand wieder:
- Sammeln und Material vorbereiten: ca. 25 % der Lernzeit.
- Aufbereiten und verdichten (Lernskript, Mindmaps, Tabellen): ca. 40 %.
- Einprägen und üben (Übungsaufgaben, Karteikarten, Abfragen in der Lerngruppe): ca. 25 %.
- Wiederholen und mit Übungsklausuren anwenden: ca. 10 %.
Das sind Richtwerte, keine Gesetze. Sie zeigen aber etwas Nützliches: Das Zusammenfassen frisst zu Beginn die meiste Zeit, und je besser dein Skript wird, desto mehr Platz bleibt fürs Üben. Wer erst in der letzten Woche mit dem Sammeln anfängt, hat für das Üben kaum noch Zeit.
Ebenfalls aus dem Verbundstudium: Spätestens drei Tage vor der Prüfung sollte der Lernprozess abgeschlossen sein, es kommen keine neuen Inhalte mehr hinzu. Die letzten Tage gehören der Wiederholung und gegebenenfalls einer Probeklausur. Wer dann noch Neues anfängt, gerät eher in Panik, als dass er viel behält.
Schritt 5: Plane rückwärts, mit Puffern
Die Uni Luzern empfiehlt, die Wochen vor den Prüfungen in Abschnitte für Lernen, Alltag (Kochen, Einkaufen) und Freizeit einzuteilen und dabei rückwärts zu planen: vom Tag der letzten Klausur bis zum heutigen Tag. Dazu kommen Puffertage oder Pufferstunden für den Fall, dass du einmal einen Durchhänger hast.
Ein hypothetisches Beispiel (kein echter Erfahrungsbericht): Eine Studentin hat am 20. Februar die erste und am 6. März die zweite Klausur, Start der Lernphase ist der 1. Februar.
- Rückwärts gerechnet: 17. bis 19. Februar nur Wiederholung für Klausur 1, 3. bis 5. März für Klausur 2.
- Pro Woche ein freier Tag, an dem nichts gelernt wird.
- Zwei Pufferhalbtage pro Woche, die zunächst leer bleiben.
- Der Rest wird nach Stand und Priorität auf die Themen verteilt.
Die Zahlen sind erfunden, das Prinzip nicht: Erst Fixpunkte und Pausen setzen, dann die Themen in den Rest füllen.
Schritt 6: Mach aus dem Plan einen Wochenplan
Ein Semesterplan ist grob. Damit du morgens nicht erst überlegen musst, brauchst du einen Wochenplan und Tagesziele. Die TU Berlin gibt dafür mehrere konkrete Empfehlungen:
- Plane mindestens einen freien Tag pro Woche, besser zwei. Pausen sind laut TU Berlin vielleicht das Wichtigste, um produktiv zu bleiben.
- Wirf jeden Abend einen Blick auf den nächsten Tag und notiere die To-dos. Dann weißt du morgens sofort, womit du startest.
- Plane keine Tage voller Lerneinheiten. Laut TU Berlin kann niemand mehr als fünf bis sechs Stunden produktiv lernen, und vier bis fünf Stunden konzentrierte Arbeit bringen mehr als zwölf Stunden am Schreibtisch mit ständigem Themenwechsel.
- Formuliere Tagesziele konkret: nicht “Statistik”, sondern “Kapitel 4 zusammenfassen und fünf Aufgaben rechnen”. Große Themen teilst du in kleine Aufgaben.
Und noch ein Satz aus demselben Leitfaden, der Druck herausnimmt: Wie detailliert ein Plan sein muss, ist individuell. Manche brauchen den Wochenplan am Sonntag, anderen reicht ein Zettel am Vorabend. Er muss sich für dich passend und produktiv anfühlen.
Schritt 7: Schütze die Lernblöcke vor Ablenkung
Der beste Plan scheitert, wenn das Handy daneben liegt. Die Uni Luzern schlägt vor, das Handy in ein anderes Zimmer zu legen und auf stumm zu stellen. Die TU Berlin empfiehlt einen Arbeitsplatz ohne Ablenkungen und, wenn möglich, getrennt vom Ort, an dem du dich erholst.
Hilfreich ist auch Gesellschaft. Die TU Berlin schlägt vor, den Wochenplan gemeinsam zu machen, etwa mit Freundinnen in der WG oder bei einem Treffen im Café. Wer sich schwer aufrafft, bleibt oft leichter dran, wenn jemand mitmacht oder zuschaut.
Häufige Fehler beim Lernplan
- Zu optimistisch geplant. Ohne Puffer fällt der Plan beim ersten schlechten Tag um.
- Nur Themen, keine Zeiten. Eine Liste ohne Termine ist keine Planung.
- Keine Pausen. Der Plan sieht auf dem Papier gut aus und hält nicht.
- Nie angepasst. Das Verbundstudium rät, den Plan laufend zu aktualisieren, Erledigtes abzuhaken und Zeit auf die dickeren Brocken umzuschichten.
Wenn der Plan steht und du trotzdem nicht anfängst
Das ist normal, und kein Planungsproblem. Oft hilft dann ein fester Start mit anderen. Mit der App Refocus kannst du dich mit anderen zum gemeinsamen Lernen verabreden, damit der erste Block nicht allein beginnt. Die App ist auf Englisch.
Kurz zusammengefasst
- Zähle Tage, Prüfungen und feste Termine.
- Liste pro Modul Thema, Material und deinen Stand auf.
- Priorisiere nach wichtig und dringend.
- Verteile die Zeit auf Sammeln, Verdichten, Üben, Wiederholen.
- Plane rückwärts, mit Pufferzeit und freien Tagen.
- Mach daraus Wochenpläne mit konkreten Tagesaufgaben.
- Schütze die Lernblöcke vor Ablenkung.
Willst du dein erstes Lernziel mit anderen zusammen angehen? Try Refocus: study together with others, free to start. Teste es auf refocus.co.in.
Quellen: TU Berlin, Lernplan, TU Berlin, Wochenplanung in der Lernzeit, Verbundstudium, Zielgerichtet für die Prüfung lernen, Uni Luzern, 8 Tipps für die Prüfungsphase.
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